Schlagwort: Nachhaltigkeit

  • Verwaltung beendet Steckersolar-Förderprogramm für einkommensschwache Haushalte

    Beratungsfolge

    DatumGremiumErgebnis
    11.06.2026Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschussnoch nicht beraten
    18.06.2026Ratnoch nicht beraten

    Das im Dezember 2025 gestartete Förderprogramm für steckerfertige Photovoltaikanlagen erreichte trotz umfangreicher Bemühungen kaum die priorisierte Zielgruppe einkommensschwacher Haushalte. Der Rat soll die endgültige Beendigung des bereits pausierenden Programms beschließen.

    Die Stadt will ihr Steckersolar-Förderprogramm (T3-02) im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie beenden. Das Programm war im Dezember 2025 gestartet worden, um insbesondere Haushalten mit geringem Einkommen den Zugang zu steckerfertigen Photovoltaikanlagen zu erleichtern. Seit dem 9. März 2026 ist das Programm bereits pausiert.

    Zielgruppe wurde verfehlt

    Von 121 eingegangenen Anträgen bis zum 9. März 2026 stammten nur drei aus der intendierten Zielgruppe einkommensschwacher Haushalte. 42 Anträge wurden bis zum 17. Februar bewilligt. Das Programm sah einen Zuschuss von bis zu 500 Euro pro Steckersolargerät vor und war bewusst niedrigschwellig mit Online-Antrag und einfacher Nachweisführung gestaltet.

    Ratskompass-Newsletter

    Neue Ratsentscheidungen direkt ins Postfach. Kostenlos, werbefrei, jederzeit abbestellbar.

    Jetzt abonnieren

    Lösungsversuche scheiterten

    Die Verwaltung prüfte verschiedene Wege, um die Zielgruppe doch noch zu erreichen:

    • Eine Vorfinanzierung durch die Stadtwerke Bochum wurde am 18. Februar 2026 abgelehnt (rechtliche Risiken, beihilferechtliche Bedenken, unverhältnismäßiger Aufwand)
    • Eine Kooperation mit der Sparkasse Bochum wurde empfohlen, ist aber für das bestehende Förderprogramm nicht realisierbar
    • Eine Vorfinanzierung durch die Stadt ist haushalts- und zuwendungsrechtlich nicht umsetzbar

    Auch zusätzliche Kommunikationsmaßnahmen wie Ansprache über Vermieter und die Allianz für Wohnen, Multiplikation durch die Verbraucherzentrale oder Anpassungen der Förder-Homepage zeigten keine Wirkung bei der intendierten Zielgruppe.

    Beschlussvorschlag und Verfahren

    Der Rat soll beschließen:

    • Die Beendigung des Steckersolar-Förderprogramms
    • Eingegangene Anträge werden nicht weiter bewilligt, die Antragstellenden werden entsprechend informiert
    • Die nicht verausgabten Haushaltsmittel fließen zurück in den städtischen Haushalt

    Die Vorlage wird direkt in den Haupt-, Wirtschafts- und Finanzausschuss (11. Juni 2026) und den Rat (18. Juni 2026) eingebracht, um eine zeitnahe Klärung für schwebende Anträge herbeizuführen. Der Ausschuss für Sicherheit, Umwelt und Nachhaltigkeit wird nachträglich per Mitteilungsvorlage informiert.

    Finanzielle und klimatische Auswirkungen

    Vor dem Hintergrund der stark angespannten Haushaltslage sei eine Weiterführung eines Programms, das den gewünschten sozialen Hebel nicht erziele, nicht vertretbar, begründet die Verwaltung. Die nicht verausgabten Mittel sollen zur Finanzierung anderer dringlicher Maßnahmen verwendet werden. Als klimatische Auswirkung wird ein geringerer Solarausbau und damit weniger Erzeugung erneuerbarer Energien genannt.

    Fediverse-Reaktionen
  • Stadt beteiligt sich an bundesweitem Projekt für nachhaltigen Wirtschaftsverkehr

    Beratungsfolge

    DatumGremiumErgebnis
    27.05.2026Ausschuss für Mobilität, Digitalisierung und Infrastrukturnoch nicht beraten

    Bochum nimmt am Projekt „Wirtschaftsverkehr nachhaltig gestalten“ des Deutschen Instituts für Urbanistik teil. Im Fokus steht die strategische Weiterentwicklung des städtischen Lieferdienstes „Bochum bringt’s“.

    Die Stadt beteiligt sich gemeinsam mit Duisburg, Kiel, Frankfurt am Main, Esslingen am Neckar und Ulm an dem bundesweiten Städteprojekt „Wirtschaftsverkehr nachhaltig gestalten (WiNa)“ des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu). Die Verwaltung und die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bochum (WEG) entsenden jeweils einen Mitarbeitenden.

    Zwei Module für Fortbildung und stadtspezifische Analyse

    Das Projekt umfasst zwei Bausteine:

    • Basismodul – Fortbildung und Erfahrungsaustausch: In fünf Workshops werden rechtliche, organisatorische und planerische Grundlagen eines zukunftsfähigen Wirtschaftsverkehrs vermittelt. Ergänzend werden Beispiele aus Forschung und Praxis sowie aus den teilnehmenden Kommunen vorgestellt und diskutiert.
    • Vertiefungsmodul – Kommunenspezifische Analyse: Das Difu erarbeitet gemeinsam mit jeder Kommune eine stadtspezifische Analyse und darauf abgestimmte Handlungsmöglichkeiten.

    Ratskompass-Newsletter

    Neue Ratsentscheidungen direkt ins Postfach. Kostenlos, werbefrei, jederzeit abbestellbar.

    Jetzt abonnieren

    Strategische Weiterentwicklung von „Bochum bringt’s“

    Im Vertiefungsmodul steht die strategische Weiterentwicklung des städtischen Lieferdienstes „Bochum bringt’s“ im Mittelpunkt. Ziel ist eine fundierte Entscheidungsgrundlage über den nächsten Entwicklungsschritt des Angebots.

    Zu klären sind insbesondere folgende Aspekte:

    • welche Reichweite und welche Zielgruppen künftig wie adressiert werden sollen
    • welche organisatorischen und finanziellen Strukturen dafür erforderlich sind
    • welche Formate – etwa Pilotprojekte, Reallabore oder neue Kooperationsmodelle – zur Konkretisierung der nächsten Entwicklungsschritte geeignet sind
    • welches Verhältnis zwischen anzustrebender direkter Übertragbarkeit und struktureller Offenheit passend ist, um die verschiedenen Stadtteile gleichermaßen gut einbinden zu können

    Das Modul soll ein klares Zielbild, vorbewertete Entwicklungsoptionen sowie einen priorisierten Umsetzungspfad liefern. Die operative Umsetzung der Ergebnisse ist ausdrücklich nicht Bestandteil des Projekts.

    Amt für Stadtplanung federführend

    Federführend für die Verwaltung ist das Amt für Stadtplanung und Wohnen, da sowohl die Erfahrungen aus dem Basismodul als auch die konkreten Ergebnisse des Vertiefungsmoduls für die strategische Verkehrsplanung bedeutsam sind. Die WEG, die „Bochum bringt’s“ operativ begleitet, und die Betreiberfirma e-Cargo sind ebenfalls kontinuierlich eingebunden.

    Workshops und Zeitplan

    Im Verlauf des Jahres 2026 werden zwei Workshops durchgeführt, in denen weitere für das Projekt relevante Akteure eingebunden werden. Die Bearbeitung des Vertiefungsmoduls erfolgt in vier Arbeitsbausteinen von April bis November 2026. Mit den finalen Ergebnissen ist im ersten Quartal 2027 zu rechnen.

  • SPD und Grüne wollen Nachhaltigkeitsstrategie bei Finanzierung ändern

    Beratungsfolge

    DatumGremiumErgebnis
    07.05.2026Ratnoch nicht beraten

    SPD und Grüne haben einen gemeinsamen Änderungsantrag zur vierten Tranche der Nachhaltigkeitsstrategie eingereicht. Die Fraktionen fordern eine andere Finanzierung für Metropolrad Ruhr und VHS-Kurse, mehr Geld für Baumpflanzungen und Kürzungen beim Wegweiser für außerschulische Lernorte.

    Metropolrad und VHS-Kurse anders finanzieren

    Bei zwei Projekten wollen SPD und Grüne die Finanzierung aus der Nachhaltigkeitsstrategie herausnehmen. Für das Metropolrad Ruhr sollen die zusätzlich benötigten Mittel nicht mehr aus dem zentralen Ansatz der Nachhaltigkeitsstrategie kommen, sondern im laufenden Etat der Produktgruppe 54.01 bereitgestellt werden.

    Die VHS-Workshops zur Pflege von Grünflächen sollen auch 2027 mit Mitteln aus dem VHS-Etat finanziert werden, falls weiterhin auf Teilnahmegebühren verzichtet werden soll.

    Ratskompass-Newsletter

    Neue Ratsentscheidungen direkt ins Postfach. Kostenlos, werbefrei, jederzeit abbestellbar.

    Jetzt abonnieren

    Budget für Wegweiser um die Hälfte gekürzt

    Beim Projekt „Wegweiser Außerschulische Lernorte in Bochum“ schlagen die Fraktionen eine deutliche Budgetreduzierung vor. Da wesentliche Informationen bereits vorhanden seien und hauptsächlich aufbereitet werden müssten, könne auf gedruckte Flyer und ähnliche Materialien ganz oder teilweise verzichtet werden. Das Budget soll um 25.000 Euro auf 25.000 Euro reduziert werden.

    Auch die geplanten jährlichen Aktualisierungsmittel von 4.000 Euro ab 2028 sollen zunächst nicht vorgesehen werden. Diese Entscheidung könne später getroffen werden, wenn das Projekt erfolgreich sei.

    Mehr Geld für Kultur und Baumpflanzungen

    Für das Projekt „Kulturelle Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ sollen dem Kulturbüro zusätzlich 75.000 Euro jährlich ab 2026 zur Verfügung gestellt werden. Das Geld soll aus den umgeschichteten Mitteln kommen und vorrangig für die Zusammenarbeit mit der Freien Szene und dem Kunstmuseum verwendet werden.

    Ein neues Projekt sehen die Fraktionen bei den Baumpflanzungen vor. Der Rat soll die Verwaltung beauftragen, das Tempo und die Zahl der Baumpflanzungen deutlich zu erhöhen. Dafür sollen aus dem zentralen Ansatz 180.000 Euro pro Jahr für Personal- und Sachmittel eingeplant werden.

    Begründung nur mündlich

    Die Antragsteller Dr. Peter Reinirkens (SPD) sowie Vicki Marschall und Sebastian Pewny (Grüne) kündigen an, dass die weitere Begründung mündlich in der Ratssitzung am 7. Mai 2026 erfolgen wird.

  • Verwaltung antwortet auf AfD-Kritik zur Nachhaltigkeitsstrategie

    Beratungsfolge

    DatumGremiumErgebnis
    23.04.2026Bezirksvertretung Bochum-Mittenoch nicht beraten

    Die Verwaltung hat auf eine kritische Anfrage der AfD-Bezirksfraktion zur vierten Tranche der Nachhaltigkeitsstrategie geantwortet. Die AfD hatte die jährlichen Ausgaben von rund zwei Millionen Euro als „politische Luxusprojekte“ bezeichnet und eine Einzelbegründung für verschiedene Aktivitäten gefordert.

    AfD kritisiert „politische Luxusprojekte“

    Die AfD-Bezirksfraktion hatte in der Bezirksvertretung Bochum-Mitte eine ausführliche Stellungnahme zur Nachhaltigkeitsstrategie gefordert. Angesichts der Haushaltslage stellte die Fraktion die „Verausgabung von jährlich ca. 2 Millionen Euro für politische Luxusprojekte“ in Frage und forderte eine Einzelbegründung für die verschiedenen Aktivitäten.

    Besonders kritisch hinterfragte die AfD unter anderem:

    • 25.000 Euro für „Wärmewendenwerbung“ (T4-01)
    • 42.000 Euro für „Roller-Fit-Workshops“ an Grundschulen (T4-04)
    • 800.000 Euro für das metropolradruhr-System (T4-06)
    • 200.000 Euro für einen „Fonds für alles Mögliche mit Nachhaltigkeit“ (T4-14)
    • 350.000 Euro für zusätzliche Sozialarbeit (T4-20)

    Ratskompass-Newsletter

    Neue Ratsentscheidungen direkt ins Postfach. Kostenlos, werbefrei, jederzeit abbestellbar.

    Jetzt abonnieren

    Verwaltung verweist auf Grundgesetz und UN-Ziele

    In ihrer Antwort stellt die Verwaltung die Kritik in einen verfassungsrechtlichen Kontext. Sie verweist auf das Grundgesetz, das den Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen als Staatszielbestimmung verankert (Artikel 20a GG). Die Nachhaltigkeitsstrategie diene der Umsetzung der Globalen UN-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) auf lokaler Ebene.

    Zudem betont die Verwaltung, dass die Strategie auf Basis eines „breit angelegten Partizipationsprozesses“ entwickelt wurde, in den viele Bürger und zivilgesellschaftliche Akteure einbezogen waren.

    Detaillierte Projektbegründungen

    Die Verwaltung ordnet jede der kritisierten Aktivitäten einem der zehn Handlungsfelder der Nachhaltigkeitsstrategie zu und begründet deren Nutzen:

    Klimaschutz und Mobilität

    Für die „Wärmewendenwerbung“ (T4-01) und das BürgerSolarBerater-Netzwerk (T4-02) verweist die Verwaltung auf die Ziele des Handlungsfelds „Klimaschutz & Energie“. Die Ausgaben dienen der Ansprache von Gebäudeeigentümern und der Schulung ehrenamtlicher Solarberater.

    Das metropolradruhr-System wurde unterschiedlich genutzt: Während Stationen am Hauptbahnhof und in Studentenwohnheimen bis zu 11.250 Ausleihen pro Jahr verzeichneten, wurden an fünf Stationen weniger als 100 Räder pro Jahr ausgeliehen. Schlecht genutzte Standorte werden daher aufgegeben oder verlegt.

    Soziale Projekte und Bildung

    Für das Projekt „BO:StarQ“ (T4-20) erklärt die Verwaltung, dass ein niedrigschwelliges Angebot für armutsbetroffene Familien bislang nicht existiere. Das Projekt zeichne sich durch drei Besonderheiten aus: spezielle Zielgruppenansprache, niedrigschwellige Beratung über einen mobilen Bauwagen und ganzheitliche Betreuung ohne behördlichen Auftrag.

    Für die Wasserspender in Kitas (T4-17) begründet die Verwaltung die 100.000 Euro damit, dass Kinder hauptsächlich Sprudelwasser bevorzugten und sich jederzeit selbst versorgen können sollten. Die bisherigen Kosten für Wasserkisten belaufen sich auf 55.000 Euro jährlich.

    Vergabepraxis bei „Roller-Fit“ erklärt

    Zur kritisierten direkten Beauftragung der OLIMA Sport GmbH für die „Roller-Fit-Workshops“ (T4-04) führt die Verwaltung drei Gründe an: Die Einbindung in ein bestehendes ADAC-Förderprogramm, das die operative Umsetzung an diesen Anbieter koppelt, die Beauftragung im Unterschwellenbereich und das Fehlen gleichwertiger Alternativangebote.

    Verfassungsrechtlicher Rahmen betont

    Die Verwaltung schließt ihre Antwort mit einem Verweis auf die „demokratische Ordnung des Grundgesetzes“ und deren Werte wie Demokratie, Rechtsstaat, Sozialstaat und Menschenwürde. Das Grundgesetz bilde das „normative Fundament“, das durch die UN-Nachhaltigkeitsziele operativ umgesetzt werden solle.