Beratungsfolge
| Datum | Gremium | Ergebnis |
|---|
| 27.05.2026 | Ausschuss für Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur | noch nicht beraten |
Die Stadt hat die vertieften Ergebnisse der Verkehrsbefragung SrV 2023 vorgelegt. Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs ging von 53,7 Prozent im Jahr 2018 auf 49,2 Prozent zurück, während der Fußverkehr deutlich zunahm. Im bundesweiten Vergleich liegt Bochum jedoch weiterhin über dem Durchschnitt beim Autoverkehr.
Die Verwaltung präsentierte dem Ausschuss für Mobilität, Digitalisierung und Infrastruktur eine vertiefte Auswertung der Haushaltsbefragung „System repräsentativer Verkehrsbefragungen (SrV) 2023 – Mobilität in Städten“. Die Analyse konzentriert sich auf drei Bereiche: den Städtevergleich, den Anteil der Mitfahrenden und die Mobilität in verschiedenen Lebensaltern.
Städtevergleich zeigt bundesweiten Trend
Bochum wird in der Studie mit Oberzentren zwischen 100.000 und 500.000 Einwohnern mit hügeliger Topografie verglichen. Mit 370.000 Einwohnern ist Bochum die größte Stadt in dieser Gruppe, gefolgt von Wiesbaden und Chemnitz. Die kleinste Vergleichsstadt ist Kaiserslautern mit knapp über 100.000 Einwohnern.
In allen Städten dieser Gruppe ging der Anteil des motorisierten Individualverkehrs (MIV) zurück – im Durchschnitt um fünf Prozentpunkte. Als wesentlichen Grund nennt die Verwaltung die Corona-Pandemie und die gestiegene Home-Office-Quote, die von 2,6 Prozent (2018) auf 14,1 Prozent (2023) anstieg.
Der Fußverkehr verzeichnete deutschlandweit die größten Zuwächse. Die Verwaltung führt dies auf zwei Faktoren zurück: Erwerbstätige im Home-Office legen häufiger Wege zu Fuß zurück, und die Anzahl der Hunde in Haushalten nahm zwischen 2018 und 2023 um zehn Prozent zu. Auch Fitnesstracker sollen die Anzahl der Fußwege erhöht haben.
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Bochum über dem Bundesdurchschnitt beim Autoverkehr
Trotz des Rückgangs liegt Bochum bei Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern weiterhin über dem Durchschnitt beim MIV-Anteil. Während Bochum bei 49,2 Prozent liegt, erreichen Erfurt und Kassel bereits etwa 35 Prozent – das bedeutet etwa 30 Prozent weniger Autofahrten als in Bochum.
Die Entwicklung der acht Städte, die sowohl 2018 als auch 2023 untersucht wurden, zeigt folgende Durchschnittswerte:
- Fußverkehr: von 29,1% auf 32,6%
- Radverkehr: von 11,3% auf 12,9%
- Öffentlicher Verkehr: von 14,5% auf 14,2%
- Motorisierter Individualverkehr: von 45,2% auf 40,4%
Bochum liegt in allen Kategorien außer beim Fußverkehr unter dem Durchschnitt der Vergleichsgruppe.
Rückgang bei Mitfahrenden
Eine besondere Betrachtung gilt dem Anteil der Mitfahrenden im Auto, da diese kein zusätzliches Fahrzeug nutzen. Zwischen 2018 und 2023 ging dieser Anteil in Bochum von 11,7 auf 10,0 Prozent zurück – ein relativer Rückgang um 15 Prozent.
Dies bedeutet, dass die Anzahl der tatsächlichen Pkw-Fahrten lediglich um 2,8 Prozentpunkte zurückging und nicht um 4,5 Prozentpunkte, wie der MIV-Rückgang vermuten ließe. Positiv zu bewerten ist, dass Bochum mit zehn Prozent Mitfahrendenanteil über dem Durchschnitt der Vergleichsgruppe (8,9 Prozent) liegt.
Mobilität variiert stark nach Lebensalter
Die Auswertung nach Altersgruppen zeigt deutliche Unterschiede in der Verkehrsmittelwahl:
- 0-14 Jahre: 40% MIV-Anteil (ausschließlich als Mitfahrende)
- 15-24 Jahre: Niedrigster MIV-Anteil, hohe Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (besonders Studierende)
- 25-44 Jahre: Höchster MIV-Anteil (berufstätige Eltern)
- 45-64 Jahre: Weiterhin hoher MIV-Anteil
- 65 Jahre und älter: Rückgang des MIV-Anteils
Besonders interessant sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede bei der Wegehäufigkeit: Frauen legen zwischen 35 und 45 Jahren deutlich mehr Wege zurück als Männer, hauptsächlich aufgrund von Bring- und Holtätigkeiten für Kinder sowie häufigerer Teilzeitarbeit.
Führerscheinbesitz bei 90 Prozent
Der Führerscheinbesitz liegt in der Gesamtbevölkerung bis zum 80. Lebensjahr bei etwa 90 Prozent. Die früher deutlichen Unterschiede zwischen Frauen und Männern haben sich in den letzten 20 Jahren weitgehend angeglichen. In Bochum besitzen 90,2 Prozent der befragten Frauen ab 17 Jahren und 92,8 Prozent der Männer einen Führerschein.
Ausblick auf SrV 2028
Die Verwaltung plant, auch 2028 wieder an der SrV-Erhebung teilzunehmen, um die Kontinuität der Datenerhebung zu gewährleisten. Im Mai 2026 findet bereits die erste Informationsveranstaltung zum nächsten Erhebungsdurchgang statt.
Die Daten bestätigen, dass Bochum seinem im Leitbild für 2030 formulierten Ziel von 60 Prozent Wegeanteil am Umweltverbund nähergekommen ist. Allerdings bleibt der MIV-Anteil im Vergleich zu anderen Städten weiterhin überdurchschnittlich hoch.