Schlagwort: Gebärdensprache

  • Verwaltung sieht 24-Stunden-Dolmetscherdienst skeptisch

    Beratungsfolge

    DatumGremiumErgebnis
    05.02.2026RatDie Vorlage der Verwaltung wird zur Kenntnis genommen.

    Nach dem Polizeieinsatz in Bochum, bei dem ein gehörloses Mädchen angeschossen wurde, hatte die BSW-Ratsgruppe nach einem 24-Stunden-Notfallpool für Dolmetscher gefragt. Die Stadtverwaltung hält dies nur in interkommunaler Kooperation für realisierbar und beziffert die Kosten auf mindestens 78.492 Euro jährlich.

    Die Anfrage der BSW-Ratsgruppe bezog sich auf den Vorfall in der Nacht vom 16. auf den 17. November, als ein gehörloses Mädchen von einem Polizisten angeschossen wurde. Der NRW-Landesverband der Gehörlosen hatte daraufhin einen 24-Stunden-Notfallpool für Gebärdendolmetscher gefordert, da fehlende Kommunikationsstrukturen immer wieder zu gefährlichen Situationen führten.

    Nur vier Gebärdendolmetscher verfügbar

    Laut Verwaltung sind über den Berufsverband der GebärdendolmetscherInnen NRW derzeit vier akkreditierte Gebärdendolmetscher in der Stadt gelistet. Eine 24/7-Bereitschaft sei der Verwaltung nicht bekannt, in der Regel würden nur die üblichen Bürozeiten abgedeckt. Reaktions- und Bereitschaftszeiten seien nicht hinterlegt.

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    Interkommunale Kooperation nötig

    Die Verwaltung schätzt, dass ein 24-Stunden-Notdienst nur in interkommunaler Kooperation mit den angrenzenden Städten realisierbar wäre, um einen ausreichenden Mitarbeiterpool einzubinden. Verschiedene Sprachen oder Gebärdensprachsysteme wären aber auch dadurch nicht vollständig abgedeckt.

    Mindestens 78.492 Euro jährliche Kosten

    Für eine werktägliche Rufbereitschaft von 16 Stunden und eine 24-Stunden-Rufbereitschaft an Wochenenden und Feiertagen kalkuliert die Verwaltung mit mindestens 78.492 Euro pro Jahr. Grundlage ist der Dolmetschersatz von 93 Euro je Stunde nach dem Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz, wobei Rufbereitschaftsstunden mit 12,5 Prozent vergütet werden. Hinzu kämen noch bürokratischer Aufwand und die Problematik unterschiedlicher Kostenträger (Land, Kommune).

    Video-Dolmetschen als Alternative

    Bei Lautsprachen hat die Verwaltung positive Erfahrungen mit 24/7-verfügbaren Video-Dolmetschern gemacht. Eine Markterkundung habe aber keine vergleichbaren Angebote für Gebärdensprachen ergeben. Auch KI-Systeme stünden derzeit noch nicht zur Verfügung. Für den Rettungsdienst wären solche Systeme theoretisch nutzbar, für die technische Ausstattung der Polizei sei die Stadt jedoch nicht zuständig.

    Zeitnahe Umsetzung unwahrscheinlich

    Da für den Aufbau eines Pools viele unterschiedliche Akteure wie das Innenministerium, Nachbarkommunen und der Berufsverband zusammengebracht werden müssten, rechnet die Verwaltung nicht mit einer zeitnahen Umsetzbarkeit. Zu Einsatzrichtlinien der Polizei könne das Gesundheitsamt keine Auskunft geben.

  • BSW fordert 24-Stunden-Dolmetscherpool für Polizei und Rettungskräfte

    Beratungsfolge

    DatumGremiumErgebnis
    18.12.2025RatDie Anfrage wird schriftlich beantwortet.

    Die BSW-Ratsgruppe im Rat der Stadt Bochum fordert die Einrichtung eines 24-Stunden-Notfallpools für Gebärden- und Sprachdolmetscher. Hintergrund ist ein Polizeieinsatz im November, bei dem ein gehörloses Mädchen angeschossen wurde.

    Vorfall gibt Anlass zur Initiative

    In der Nacht vom 16. auf den 17. November wurde bei einem Polizeieinsatz in Bochum ein gehörloses Mädchen von einem Polizisten angeschossen. Nach diesem Vorfall forderte der NRW-Landesverband der Gehörlosen einen 24-Stunden-Notfallpool für Gebärdendolmetscher. Gehörlose hätten immer wieder Vorfälle gemeldet, bei denen fehlende Kommunikationsstrukturen zu gefährlichen Situationen, Traumatisierungen und Rechtsverletzungen geführt hätten.

    Die BSW-Ratsgruppe verweist auch auf den Fall des am 8. August 2022 in Dortmund erschossenen Jugendlichen Mouhamed Dramé, der die Relevanz von Kommunikationsmöglichkeiten bei Polizeieinsätzen auch auf sprachlichem Gebiet zeige.

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    Fünf Fragen an die Verwaltung

    In ihrer Anfrage zur Ratssitzung am 18. Dezember 2025 stellt die BSW-Ratsgruppe fünf konkrete Fragen an Oberbürgermeister Jörg Lukat:

    Die Ratsgruppe möchte wissen, wie viele Gebärdendolmetscher es in der Stadt gibt und wie schnell sie bei Anfragen von Polizei oder Rettungskräften vor Ort sein können. Zudem fragt sie, wie viele dieser Dolmetscher rund um die Uhr erreichbar sind.

    Kosten und Umsetzbarkeit im Fokus

    Weitere Fragen betreffen die grundsätzliche Möglichkeit der Einrichtung eines solchen Pools sowie die damit verbundenen Kosten – je nach Anzahl der aufgenommenen Sprachen seien mehrere Szenarien denkbar. Die BSW möchte auch wissen, wie lange die Einrichtung dauern würde und wann Einsatzrichtlinien erlassen werden könnten, die den Rückgriff auf den Pool vor dem Schusswaffengebrauch vorschreiben.

    Video-Dolmetsch-Systeme als Übergangslösung

    Als technische Übergangslösung schlägt die Ratsgruppe Video-Dolmetsch-Systeme für Einsatzkräfte vor. Sie fragt nach dem möglichen Zeitraum für eine solche Anschaffung und den damit verbundenen Kosten.

    „Es darf nicht wieder so weit kommen, dass die Schusswaffe näher ist als der Gebärdendolmetscher oder Sprachdolmetscher“, begründet BSW-Fraktionsvorsitzender Sven Ratajczak die Initiative.